SONDERGALERIE AMATEURFOTOGRAF HANS NOVACZEK  
     
  Auf den Spuren des Gebirgskrieges 1915-1918
     
  FÄHNRICH
Josef Purkowitzer

Vor einiger Zeit erreichte mich ein Mail von Herrn Hannes Purkowitzer aus Sankt Gallen in der Obersteiermark. Sein Großonkel war im Ersten Weltkrieg an der Front im Seiseratal gefallen, und er vermutete, dass dieser am Heldenfriedhof in Valbruna begraben wurde. Bei seinen Recherchen nahm Herr Purkowitzer so mit mir Kontakt mit der Frage auf, ob ich vielleicht noch nähere Informationen zu diesem Friedhof und der dort Bestatteten hätte.
Im Laufe des Austausches über E-Mail ließ er mir einige Postkarten seines Großonkels zukommen, mit der Erlaubnis, sie auf meiner Homepage im Rahmen meiner hobbymäßigen Studien zu veröffentlichen. Was ich hiermit gerne tue, da mich die Postkarten im Einklang mit meinen bisherigen Besuchen vor Ort sehr berührten...

 
     
     
 

 
       
  IN MEMORIAM
Fähnrich Josef Purkowitzer

In unserem heutigen 21. Jahrhundert sagt man, das Internet vergisst nichts. So soll es in diesem Fall auch sein, und das Andenken an „den Pepi“ möge hier auf lange Zeit gewahrt bleiben.

17.I.1915

An W...h...
Familie
Purkowitzer
St.Gallen
Ob-Stmk

Besten Dank für die
Karte & herzl. Gruß
Euer Pepi. Bleiben
wahrscheinlich bis Februar
hier. Kriegsausrüstung
schickt mir keine!
E.F.K.K.L.J.R.No 3. IV.K; 3. Zug
Görz (Bin schon wieder in einer and. Kaserne

 
     
 

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20.V.1915

An die sehr
geehrte Familie
Purkowitzer
St.Gallen
Ober~Stmk

L. Eltern! Sende Euch ein
Bild von meinem Zug.
Neben mir steht mein
Komp. Kmdt. Lebt Wohl!
Tausend Grüße
Euer Pepi
20.V.15 heute geht's fort!!

 
 

 

 
 

***

 
     
 

 
 


Purkowitzer
St.Gallen
Ober Stmk

Unterkunft auf
über 2600 m Höhe
Die Kälte war im August
schon so groß, dass man
Pelze bräuchte. Wenn
man einige Schritte nach
links geht, wird man
von den Walischen
schon beschossen!

 
     
 

 
     
 

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oben

Der sehr
geehrten
Familie
Purkowitzer
in St.Gallen
Ober-Stmk

7.9.15
Unser Kommandant
Herr Hptm. Hugo Müller
Tausend Grüße
Euer Pepi

unten

An die
sehr geehrte
Familie
Purkowitzer
in St.Gallen
Ob.Stmk

Walische Front, 7.9.15
Liebe Eltern! Hier schick' ich
Euch ein Bild von unserem
neuen Heim. Mich werdet Ihr
darauf kaum erkennen?
Herzl. Gruß von Eurem
dankb. Sohn Pepi

 
     
 

 
       
 

Unser neues Heim (1600m): „Franz-Josef-Hütte“. (an der italienischen Front)

 
     
 

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Aufstieg
auf diesen hohen
Berg auf der Seite,
die von den
Feinden nicht
eingesehen wird

Purkowitzer
St.Gallen
Ob.Stmk

Klettern soeben
hinauf. Das Bild
ist sehr gut

 
       
 

 
     
 

***

 
     
 

 
     
 

M.G. auf über
2600m
ca 600m den
Italienern gegen=
über

Purkowitzer
St.Gallen
Ob.Stmk

Hinter uns ein jäher
Abgrund. Mußten uns
decken, da die Italiener
fortwährend herüber=
schießen. Dieses M.G.
hat schon ziemlich viele Katzl=
macher ins Jenseits beför=
dert.

 
     
 

 
     
 

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-8.IX.1915

Der
sehr geehrten
Familie
Purkowitzer
in St.Gallen
Ober-Stmk

Liebe Eltern!
Bitte hebt mir diese Pho=
tographien gut auf.
Werde Euch später interessante
Dinge davon erzählen können.
Euer Pepi

 

 
     
 

Gipfel des Montasch (Jôf di Montasio)                    Rechts der kleinere Köpfach (Jôf di Somdogna)

 
     
 

 
     
 

Auf der Postkarte merkt er an, dass er darüber etwas Interessantes zu erzählen haben wird! Seltsames Schicksal, dass er gerade dort heimgegangen ist...

In der Mitte des Bildes befindet sich der Hang des Kuglic am Fuße des Montasch, auf dem Josef Purkowitzer im Gefecht fiel. Herr Hannes Purkowitzer schrieb mir dazu: „Er sollte wohl mit seinem Zug von ca. 50 Schützen die Kote 1787 einnehmen und ist dort in den Felsen des Montasch mit dem Großteil seiner Männer gefallen.“

 
     
 

***

 
     
 

 
     
 

-4.X.1915

Heil! Hurra!
Südwestlicher Kriegsschaupl. 2.X.15
Auf einige Stunden Erholung hinter
der Front. Tausend Grüße Euer Pepi

 

K.k. Landwehrinfanterieregiment Graz Nr.3
IX. MARSCHBAON.

 

An die
sehr geehrte Familie
Purkowitzer
in St.Gallen
Ober~Stmk

k.k. Fähnrich
J. Purkowitzer
L.J.R.No 3; IX.M.B
Feldpost 608

 

 
     
 

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7.X.1915

Der sehr
geehrten Familie
Purkowitzer
in St.Gallen
Ob-Stmk

Liebe Eltern! 7.X.15
Einige Tage in dieser herrl.
Gegend tun uns sehr gut.
Jeden Tag mache ich einen
Spazierritt zum See. Aber
es werden wahrscheinlich
bald heiße Tage für uns
kommen. Lebt wohl!
Auf Wiedersehen Euer Pepi.

 

 
     
 

***

 
     
 

 
     
 

Die letzte Postkarte zeigt die Saiserahütte, die an einer malerischen Erhebung am Ende des Tales stand und heute nicht mehr existiert.

Der Text darauf ist sehr kurz angebunden und aufgrund der Plötzlichkeit unheimlich traurig...

 

 

Andenken für .ber Pepi
er sol in der nähe begraben
sein gefallen 1915 18. Oktober

 
       
 

 
     
 

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  FÄHNRICH JOSEF PURKOWITZER
aus St. Gallen in der Obersteiermark (nördlich des Gesäuses, in der Nähe des Dreiländerecks Steiermark-Oberösterreich-Niederösterreich gelegen) war Lehrer in Admont und begeisterter Bergsteiger. Er hatte sich freiwillig gemeldet, um für Kaiser und Vaterland zu kämpfen.

Er war im Abschnitt Seisera durchaus kein Unbekannter, da er in den Aufzeichnungen von Julius Kugy - Erschließer der Julischen Alpen und »Alpinreferent« im Ersten Weltkrieg - mehrfach als guter Bergsteiger und begnadeter Kletterer erwähnt wird, was auch auf obigen Postkarten ersichtlich ist. Als bergerfahrener Soldat war er mit Sicherheit auch am Wischberg und der Naboisscharte.

Der letzte Angriff war Kote 1787. Im Buch Die steinerne Front von Ingomar Pust, wird im Kapitel Sinnloser Angriff in der Seisera [K] Julius Kugys Bericht zitiert, wo bei einem überstürzten und unkoordinierten Angriff auf die italienischen Stellungen, bei ungünstigen und nebeligen Wetterverhältnissen Josef Purkowitzer am 18. Oktober 1915 fiel.


NACHFORSCHUNGEN
Am 10. August 2017 hielt ich Nachschau am Heldenfriedhof im Wolfsbachtal. Ein mit dem Namen von Josef Purkowitzer beschriftetes Grab konnte ich dort nicht finden.

Hannes Purkowitzer ist mit Davide Tonazzi - einem Experten des Ersten Weltkrieges in diesem Gebiet - in Verbindung, um zu klären, ob sein Großonkel hinter den österreich-ungarischen Linien auf italienischer Seite bestattet wurde.

Desweiteren bekam ich von Herrn Purkowitzer noch zusätzliche Informationen. Er ließ mir dazu auch einige Buchseiten zukommen, die ich hier unten folgend auszugsweise zitieren darf.

 
     
     
  ...Weiters wäre vielleicht interessant, dass mein Großonkel für seinen Angriff auf Kote 1787 posthum mit der höchsten Auszeichnung des ersten Weltkriegs, der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet wurde. Die große Silberne erhielt er einige Monate davor. Laut den Erzählungen meines Vaters war er bei einem Einsatz hinter feindlichen Linien dabei, der die eigene Artillerie auf italienische Stellungen leiten sollte...  
     
  DAS SCHÜTZENREGIMENT GRAZ NR. 3
Auszug:
 
     
  ... So stießen am 17. Juni (1915) die Kdt. Morgante und Lorber gegen das Köpfach und den Dogna-Sattel vor, ... Als hierauf die Italiener besonders den Prasnik-Sattel mit schwerem Art.-Feuer bedachten, gelangte ein 30.5 Mörser („Hans“ genannt) in das Kaltwassertal. Was half aber der dickste Hans, wenn der Art.-Beobachter keinen Punkt finden konnte, von wo aus er das Feuer zu leiten vermochte. Um sich doch Einblick in die feindliche Stellung zu schaffen, wurde ein kühner Entschluß gefaßt. Während die Fähnriche Lorenz, Dellacher und Lorber fast ständig allen Witterungsunbilden als Feldwachenkmdten preisgegeben waren, meldeten sich die Fähnriche Morgante und Purkowitzer zu einem neuen Vorstoß gegen den Feind. Unter dem Schutze dieser Patroullien erklomm der Bahnbeamte Ing. Horn, ein bekannter Kletterer, mit dem Art.-Fhr. Erich Maier und dem Zugsf. Roisternig in der Nacht die Montaschwand. Sie legten zwischen zwei italienischen Feldwachen ... ein Telephonkabel. Zum Schrecken der Italiener leiteten sie am nächsten Morgen vom Karnischen Turm (2033) mitten aus der italienischen Stellung das Feuer des dicken Hans gegen die feindliche Batterie nächst Implanz und Pleziche so wirksam, daß diese einige Wochen vollkommen schwieg...  
     
  ... Der Angriff hatte um 7 Uhr des 18. Oktober mit dem Losungswort „Einverstanden“ zu beginnen und war bis in die Linie Zweispitz-Köpfach-Montasch vorzutragen ... Pünktlich zur festgesetzten Stunde rückte das Baon vom Schwarzenbergrücken den steilen Hang herunter ins Tal, um auf der anderen Seite wieder mühsam gegen den Mittagskofel aufzusteigen. Über die Köpfe hinweg schoß die eigene Artillerie, ohne daß es ihr gelang, das Inf.- und Mg.-Feuer in den italienischen Stellungen zum Schweigen zu bringen...
... Wohl versuchte der eigene Minenwerfer das das Mg. zum Schweigen zu bringen, aber ehe seine Lagen wirksam wurden, häuften sich die Verluste der 1. Komp. erschreckend....
...Die Lage erschien um so hoffnungsloser, als die beiden zur Unterstützung nachgesendeten Kompn. infolge einer schauerlichen feindlichen Mörserbeschießung rückwärts im Graben stecken blieben. Langsam sank die Sonne hinter die Berge. Rot flammten die Gipfel im Alpenglühen auf. Ein letzter zuckender Strahl streifte den Montasch. Dort lag einer der Tapfersten - Fhr. Purkowitzer - mitten in die Stirn getroffen und um ihn lagen, wie sie der Tod mitten im Sturme hingemäht hatte, - fast alle seine Leute. Fhr. Purkowitzer wurde mit der Goldenen T.M. ausgezeichnet. Himmelhoch ragen die Berge zu den Wolken auf, doch noch viel zu gering, um ein würdiges Denkmal all diesen Heldenmutes darstellen zu können...
 
     
     
  ...Sein Schicksal und die Unwissenheit über die Ereignisse seiner letzten Tage waren immer ein großes Thema bei uns in der Familie, und mein 2015 verstorbener Vater wollte zu Lebzeiten immer beim Friedhof in Valbruna Nachschau halten. Wie wir jetzt wissen, geht die Geschichte wohl in eine andere Richtung. Ich hoffe über Herrn Tonazzi Informationen über den Ort seiner Bestattung erhalten zu können. Herr Tonazzi hat mir ein Buch mit den Aufzeichnungen von Julius Kugy geschickt, welcher schreibt, die Italiener hätten ihn begraben, den genauen Ort würde er nicht kennen...  
     
  IN MEMORIAM
aus:
Dr. Julius Kugy, La mia guerra nelle Giulie, Edizione Saisera, a cura di Davide Tonazzi“, Seite 92/93
 
     
  Ein zweites Grab wollen wir grüßen. Ein hohes Felsengrab am Riesensockel des gewaltigsten Berges der Julischen. Dort, irgendwo beim heiß umstrittenen Punkt, 1787, wo der Montaschmittelgrat ansetzt, ist am 18.Oktober, an einem Tage der meine gesamte Jugend mit schwersten Gefahren gestreift hat, Fähnrich Josef Purkowitzer als einer der ersten einem Hinterhalte des Feindes zum Opfer gefallen. Er war ein gar frisches Junges Blut. Wir hatten ihn alle sehr lieb. Er gehörte nicht eigentlich zu meiner Bergjugend, aber er hat wiederholt die Sicherungspatroullie für dieselbe umsichtig geführt und auf seine Treue konnte man sich verlassen. Der Feind hat ihn begraben, die genaue Stelle kennen wir nicht. Der Montasch ist sein Denkstein, die wiedererstandenen Glocken von Luschari werden durch die Seisera hinüberklingen zu ihm und täglich werden sie die Tapferen grüßen!  
     
     
 
 
     
     
  WEBLINKS
http://digi.landesbibliothek.at/viewer/image/AC03375431/305/LOG_0125/

Kaverne der 9cm-Positionsbatterie 39 im Val Saisera
 
     
     
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