SONDERGALERIE AMATEURFOTOGRAF HANS NOVACZEK  
     
  Auf den Spuren des Gebirgskrieges 1915-1918
     
  3. Die sechs Kärntner Festungen  
     
     
     
  3.5 Fort Hermann  
 

 

 
     
  EINLEITUNG
Die drei Schautafeln in Fort Hermann (1897-1900) geben nicht nur Auskunft über das Fort, sondern auch einen Überblick über die damalige Situation an der altösterreichisch-italienischen Grenze:
 
     
 

ÖSTERREICHICH-UNGARISCHE ALPINE ARTILLERIEFESTUNG FORT HERMANN

Schon 1797, 1805 und 1809 sind Napoleonische Einheiten durch das Tal der Soca und über den Predelpass auf österreichisches Gebiet eingedrungen. Als Österreich gegen Ende des 19. Jh daran ging seine Grenze zu Italien zu befestigen, errichtete man an den Zugängen zu Tarvisio sechs so genannte Kärntner Festungen. Die befestigte Straßensperre Flitscher Klause sowie die 1900 vollendete Artilleriefestung, benannt nach dem Verteidiger des Predelpasses von 1809 Hauptmann Johann Hermann, bilden zusammen die Flitscher Sperre. Von Fort Hermann konnten 13 Offiziere und 227 Soldaten mit vier 120-mm Kanonen in gepanzerten Minimalschartenkasematten (die Reichweite von 6700 m) und zwei drehbaren gepanzerten 105-mm Haubitzen auf dem Dach (5900 m) fast das gesamte Flitscher Becken kontrollieren. Die Festung war mit elektrischem Licht und einem Belüftungssystem ausgestattet. Sie verfügte auch über Wasserleitungen und hatte an der Koritnica ein eigenes Kraftwerk.
Zu Kriegsbeginn waren die beiden Festungen bereits veraltet, konnten aber ihre Aufgabe trotzdem erfüllen. Die italienische Armee entschloss sich trotz großer Übermacht nicht für einen Angriff, sondern hielt beide Forts mehrere Monate unter schwerem Artilleriefeuer. In der Zwischenzeit konnten die Österreicher ein Kräftegleichgewicht herstellen und die italienischen Angriffe beenden.
[1]

Die italienische Artillerie beschoss in den ersten Monaten des Krieges im Sommer 1915 Fort Hermann mit 3840 Granaten. Das Ziel getroffen haben rund 200 Granaten, von denen manche 441 und 350 kg schwere 305-Millimeter Granaten waren. Sie wurden aus dem 13 km entfernten Tal der Raccolana hinter dem Kanin abgefeuert. Die Mannschaft hat sich während des Beschusses zwar zurückgezogen, trotzdem kamen laut den bisher bekannten Angaben 9 Soldaten ums Leben. Bis Mai 1916 war die Festung so stark beschädigt, dass sie aufgegeben werden musste.
Wegen der herrschenden Rohstoffknappheit erteilten die italienischen Behörden nach 1936 den Befehl, die 10 Tonnen schweren Eisenschilde aus den Kasematten und die Kuppeln aus dem Beton zu entfernen.
[2]

 
     
 

 
     
 

Rückseite des Forts im Mai 1916 [2]

 
     
  Die Festung verfügte über einen Kampfblock im vorderen Teil der Anlage, zwei Seitenkoffer zur Verteidigung vor Infanterieangriffen und über eine Kaserne im hinteren Teil. Die Decken und die am meisten exponierten Wände waren aus bis zu zwei Meter dicken Stampfbeton, der schichtweise aufgetragen wurde. Weniger gefährdete Teile waren aus Bruchstein. Teile der Kasemattenvorderwand sowie die Fassungen der Kuppeln auf dem Dach wurden mit Südtiroler Granitblöcken verstärkt. Diese wurden mit der Bahn nach Tarvisio transportiert, dann mit Pferdewagen bis Kluze und mit Ochsengespannen durch einen Tunnel zur Baustelle gekarrt.
Nach den Erzählungen war der k. u. k. Hoflieferant für Brot Karel Pirc aus Bovec. Jeder Soldat erhielt 2 Kilo Roggenbrot, die für 2 Tage reichen mussten. Zu besonderen Anlässen steckte er in einen der Laibe ein Goldstück. Danach trank die gesamte Mannschaft auf Rechnung des Finders.
[3]
 
     
 

 
     
 

Erdgeschoß: A Graben mit Brücke, B Zwinger, C Patroullientür, D Haupteingang in die Festung, E Tür im Eisenzaun...

Die obere Skizze ist unter Vorlage des Grundrisses auf Schautafel [3] gezeichnet.

 
     
 

WEGBESCHREIBUNG
In einer lang ausgezogenen Haarnadel (auf der unteren Skizze verkürzt) steigt die Werkstraße von der Flitscher Klause zum Fort Hermann hinauf. Gleich zu Beginn durchqueren wir einen Tunnel, in dem sich Maschinengewehrkavernen befinden.

 
     
  WERKSKIZZE  
     
 



 

 
 

Legende Fort Hermann:

1 .... Vorplatz
2 .... Rampe mit Brücke
3 .... Graben mit Leiter
4 .... Hof
5 .... Eingang
6 .... Patroullienausgang
7 .... Dachaufstiegsleiter
8 .... Beobachtungsstände
9 .... 105mm Panzerhaubitzen
10 ... Minimalschartenkanonen
11 ... Feindseitiger Koffer (mit MG-Stand)
12 ... Kehlkoffer
13 ... Kehlgraben
14 ... Kehlmauer
15 ... Einstieg Laufgraben
16 ... Laufgraben

 

Legende Grundriss:

A ... Aufzüge (Munition, Scheinwerfer)
B ... Aborte
D ... Depots und Lager
G ... Munitionsbunker
K ... Küche
M ... Maschinengewehrstellung
S ... Scheinwerferdepot (Obergeschoß)
V ... Vorraum und Haupttreppe

Legende Werkstraße:

E ... Ausstiegskoffer Leitersteig
F ... Felskaverne
H ... hangseitige Stützmauer
J .... Felskaverne (1919-1945)
L ...  Leitersteig
O ... Tunnel
P ... Begrenzungsstein
T ... talseitige Stützmauer
Ü ... Felsüberhang
 

 
     
     
  Fotobesuch
18. AUGUST 2011
 
     
 

Kaverne (Foto oben) am Beginn der Zufahrtsstraße.
Gesicherter Tunnel (Foto unten) in dem sich ehemalige Gefechtsstellungen befinden.

Der Hof des Forts mit dem Haupteingang (links im Schatten) am Ende der Zufahrtsstraße.

Blick in die Innenräume (Mannschaftskasematten)

Südseite: (feindseitige) Geschütz-Kasematten mit fehlender Stahlpanzerung, siehe Text auf Schautafel [2]

Ansicht Südostseite ("Linke Flanke")

Ansicht vom Graben aus, links der Koffer mit der Maschinengewehrstellung.

 
     
     
 
 
     
 

FUSSNOTEN
[1] [2] [3] Nummer der Schautafeln in Fort Hermann, von denen der Text stammt.

 
     
   
     
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