SONDERGALERIE AMATEURFOTOGRAF HANS NOVACZEK
 

 

  Festungsbauten der Monarchie 1809-1918
   
  Wiener Schanzen
   
  Alte Schanzen in Stammersdorf         Ravelin in Simmering           Der Maximilianische Turm in Rothneusiedl  
     
     
 

Auf den historischen Karten der Francisco-Josephinischen Landesaufnahme aus den 1870er-Jahren sind im Umland von Wien nördlich der Donau (Transdanubien) umfangreiche Schanzanlagen eingezeichnet.

Nach der Schleifung der Wiener Stadtmauer wurden Pläne entwickelt, die Stadt durch einen Festungsgürtel zu sichern. Maximilian d'Este ließ zum Beispiel einen Turm, ähnlich wie sie in wie in Linz zu finden sind, bei Rothneusiedl errichten1). Keiner dieser verschiedenen Pläne wurde allerdings weiterverfolgt.
Im Zuge des Preußisch-Österreichischen Krieges 1866 wurde zum Schutz der Stadt links der Donau ein äußerer Verteidigungsring, sowie bei Floridsdorf und Stadlau ein provisorischer Brückenkopf aus insgesamt über 50 Werken angelegt.

Die Werke, Fleschen*), Schanzen und Batterien waren feldmäßige, hauptsächlich aus Erdwällen errichtete Anlagen:



ROT Fotostandort der Besichtigung von Werk XII (siehe unten).

Der Befestigungsgürtel erstreckte sich vom Bisamberg (Werk an der Nordwestbahn, etwas nördlich der heutigen Hst. Bisamberg) über Aspern bis in die Lobau (Großer Biberhaufen). Die inneren Befestigungsringe begannen in Jedlersee, führten entlang der Eisenbahn-Werkstätten Floridsdorf über Donaufeld bis an die Obere Alte Donau bei Mühlschüttel, und vom Gänsehäufel nach Stadlau.

Die Nummerierung der Werke begann im Norden mit
I und kann anhand der alten Karten bis Werk XXI (bei Kagran) nachvollzogen werden. Bis zum Großen Biberhaufen findet man weitere 11 Werke. Darüber hinaus waren einige Anlagen mit Großbuchstaben bezeichnet.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Werke - obwohl nicht mehr zeitgemäß - zum Schutz vor russischen Truppen reaktiviert, kamen allerdings nicht zum Einsatz.
Im Zweiten Weltkrieg wurden auf einigen Schanzen FLAK-Stellungen gebaut. Auf Werk
X errichtete man ein Gebäude, dessen Ruine noch heute vorhanden ist.

Hier im Norden von Stammersdorf sind im Gelände noch die Grundformen dieser Anlagen vorhanden. Es sind dies die Werke
X bis XIII (siehe Kartenausschnitt oben aus Blatt No. 4657-3a, 1:12500). "Alte Schanzen" ist auch heute der dortige Flurname.

 
     
     
 

Fotobesichtigung vor Ort

 
  26. JUNI 2015

Die "Alten Schanzen" sind heute vor allem als Naturschutzgebiet bekannt, da sich dort eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren etabliert hat, die in den heutigen Kulturlandschaften schon selten geworden sind. Ich wollte vor Ort einmal nachsehen, was von der Militärarchitektur noch vorhanden ist...

 
     
 

Blick vom Radweg Stammersdorf - Hagenbrunn in Richtung der Alten Schanzen die in den Wiesen und Feldern deutlich erkennbar sind. Rechts Werk XIII (nicht besucht) und links Werk XII.

 
     
  Werk XII

Diese Schanze habe ich als Vorlage für die oben stehende Symbolskizze verwendet. Bei meinem Besuch vor Ort war ich überrascht, wie viel von der Konstruktion und den typischen Bauelementen noch zu erkennen war. Die roten Buchstaben entsprechen der Fotoposition in der oberen Skizze.

[a] Blick vom Werkseingang [6] nach links Richtung Graben

[b] Blick vom Wall [3] auf den Platz [1]. Die Erhebung rechts ist der innere Wall (gedeckte Stellung) [4].

[c] Die in den Platz reichende Traverse [2]. Foto unten von Position [d] mit der gedeckten Stellung in der Bildmitte.

[e] Blick in den mit Büschen zugewachsenen, frontseitigen Graben [5].

 
     
     
 

Werk XI

Bei diesem Werk sind ebenfalls noch Strukturen erkennbar. Es dient derzeit allerdings als Ziegen- und Schafweide, ist eingezäunt und daher zum Zeitpunkt meines Besuches nicht sinnvoll fotografisch dokumentierbar.

 
     
     
  Werk X

Die Besonderheit bei diesem Werk ist die im 2. Weltkrieg errichtete Kehlkaserne. Die Werkstruktur selbst ist durch starken Verwuchs nur schemenhaft erkennbar. Der kehlseitige, zackenförmige Wall ist verschwunden, der Platz davor scheint irgendwann planiert worden zu sein.
Andere Quellen a) berichten, dass dieses Gebäude Teil der Wiener Flugmotoren-Reparaturwerke b) war, die sich im Bereich des heutigen Flurnamens "Im Herrenholz" befunden haben.

Blick vom westseitigen Wall über den zugewachsenen Graben Richtung Wolfsbergen. Unten noch zwei Details der Gebäuderuine.

 
     
     
 

DAS RAVELIN AUF DER SIMMERINGER HAIDE
Auf der Simmeringer Haide, im heutigen 11. Wiener Gemeindebezirk, fanden ab 1773 kaiserliche Artilleriemanöver statt. Dort wurden unter anderem Übungsravelins errichtet, auf die mit Kanonen geschossen wurde, um die Wirkung der eigenen Artillerie zu erproben. Sie wurden 1880 wieder abgetragen.

Ein Ravelin ist ein eigenständiges Festungsbauwerk mit ungefähr dreieckigem Grundriss, das der Festungsmauer (Kurtine) vorgelagert**)  ist, um sie vor Beschuss zu schützen. Daher stammt auch der deutsche Name Wallschild.

Das große Ravelin ist auf der Karte No. 4757-1c der Francisco-Josephinischen Landesaufnahme aus dem Jahre 1872 gut zu erkennen. Diese Darstellung wurde auch als Grundlage für die unten stehende Skizze genommen.

 
     
   
     
     
  HEUTE
134 Jahre später, am 13. Oktober 2014 sieht es hier so aus:

Blickrichtung im Bild oben vom Standort Richtung Auffahrtsrampe [5] bzw. Eingang Munitionsmagazin [2], etwa beim Haus mit der Satellitenschüssel. Im Hintergrund ist das Kraftwerk Simmering zu sehen.
Der Weg am Bild unten stimmt in seiner Lage und Länge (bis zum blauen LKW im Hintergrund) weitgehend mit dem Zugangsweg [1] zum damaligen Hof überein!

Die Orionstraße hat übrigens seit 1953 ihren Namen und ist nach dem Sternbild benannt. Etwas weiter westlich, beim Friedhof Simmering, erinnert seit 1884 die Ravelinstraße an diese historische Örtlichkeit.

 
     
     
  DER MAXIMILIANISCHE TURM IN ROTHNEUSIEDL
oder was davon übrig blieb...

1) Im Süden von Wien, neben der Anschlussstelle Rothneusiedl der Schnellstraße S1 bei Stierofen an der B16, liegt ein lauschiger Tümpel. Dieser Tümpel steht unter Denkmalschutz. Denn es ist der innere Ring vom ehemaligen Magazinsstock des Maximilianischen Turmes, den Erzherzog Maximilian d'Este 1858/59 auf eigene Kosten hier errichten ließ. Er entwarf Mitte der 1850er Jahre Pläne, Wien ähnlich wie Linz zu befestigen [ hier... ]. Nach seinem Tod 1863 verfiel der Turm, wurde verkauft und kurz danach geschleift. In der Karte aus 1872 ist der Maximilian Thurm bereits nur mehr als ruinöses Objekt eingezeichnet.

Es blieb wie so oft beim Plan und vom Turm blieb ein nettes Feuchtbiotop (13. Oktober 2014):

Von außen bloß ein Gebüsch auf einem niedrigen Wall (Bild oben). Wenn man an einer weniger verwachsenen Stelle hindurch kriecht, finden wir einen kleinen, runden Teich (Bild unten). Mehr ist nicht mehr zu sehen...

 
     
     
  WEITERE FUSSNOTEN
*) Eine Flesche besitzt einen V-förmigen Grundriss und zählt zu den so genannten Vorwerken, die außerhalb der eigentlichen Befestigungsanlagen gelegen sind. In der einfachsten Form sind sie ein im spitzen Winkel vorspringender Wall bis hin zur Ausformung als eigenständiges Festungswerk (z.B. die Neuendorfer Flesche bei Koblenz).

**) Im Gegensatz zur Flesche ist das Ravelin direkt an der Festungsmauer platziert.

a) https://de.wikivoyage.org/wiki/Wien/Alte_Schanzen

b) http://www.geheimprojekte.at/firma_wiener-flugmotoren_wien.html


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