SONDERGALERIE AMATEURFOTOGRAF HANS NOVACZEK

 
     
 

 

     
 

Forte Beisner

 
  UGOVIZZA / VALBRUNA  
     
     
  EINLEITUNG
Bei Wolfsbach (Valbruna) öffnet sich im Kanaltal eine Ebene in Form eines Dreiecks. An dessen südlicher Spitze führt das Saiseratal Richtung Montasch, und über den Sella Somdogna *) weiter ins Dognatal. In früheren Zeiten befand sich in dieser Ebene ein kleiner See. Der Name Saisera geht auf diesen See zurück und bedeutet „Tal am Ende des Sees“.
Der Kugelberg, eine kleine Erhebung im Kanaltal, ragte schon damals als Insel aus diesem See heraus. Im Kugelberg befindet sich heute die aufgelassene italienische Bunkeranlage „Fort Beisner“.
 
     
 

 
     

Historisches

17. JAHRHUNDERT BIS ERSTER WELTKRIEG
Bereits Anfang des 17. Jh. befanden sich am Kugelberg einfache Verschanzungen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist dort auf alten Karten die Bezeichnung „al Forte“ zu sehen.

Ein Rapportplan aus den Jahren 1848/49 zeigt ein „Blockhaus auf der Kuppe des Kugels“ und eine Batterie am südwestlichen Fuß der Erhebung. Dass diese Gebäude auch tatsächlich gebaut wurden, ist auf alten Karten der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme zu sehen. [ hier... ]
Neueste archeologische Funde bestätigen dies.

Im ersten Weltkrieg befanden sich zum Schutz des Saiseratales Stellungen am Kugelberg. Ob zum damaligen Zeitpunkt das Blockhaus und die Batterie noch existierten, ist unklar.

ZWISCHENKRIEGSZEIT
Obwohl in den Dreißigerjahren Mussolini mit dem Deutschen Reich im Bündnis stand, misstraute er seinem Bündnispartner. In dieser Zeit entstand neben der Maginotlinie in Frankreich und den Grenzbunkern in der Tschechoslowakei auch der Italienische Alpenwall (Vallo Alpino del Littorio).

Alleine im Kanaltal befinden sich über 100 Bunkeranlagen, die zum Großteil aus dieser Zeit stammen, so auch Fort Beisner.

NACHKRIEGSZEIT
Fort Beisner wurde im Rahmen des NATO-Bündnisses, zu dem nun auch Italien gehörte, ab 1950 adaptiert und stand bis 1992 als NATO-Bunker in Verwendung. Er sollte mit anderen Anlagen einen Einfall von Truppen des damaligen Warschauer Paktes über Tarvis abwehren...

NAMENSGEBUNG
Die Herkunft des Namens Fort Beisner ist nicht geklärt. Von Italienischer Seite wurde immer dieser Name verwendet. Möglich auch, dass der Name des Blockhauses FORT REISNER war - benannt nach dem Feldmarschallleutnant Anton Freiherr von Reisner **) - und der heutige Name durch eine Lautverschiebung zustande kam.

AUSRÜSTUNG
Fort Beisner besteht aus kavernierten Stellungen im Kugelberg. Der Haupteingang liegt an der Westseite, dazu kommen noch zwei Nebeneingänge. Die MG-Stellungen sind sternförmig ausgerichtet und können alle Richtungen unter Feuer legen. Desweiteren gibt es eine Stellung für eine Panzerabwehr-Kanone, die östlich gegen die Staatsstraße (S.S.13) und die Eisenbahnstrecke, sowie die auf freiem Feld gelegenen Panzergräben gerichtet war. Die Gefechtsstellungen sind außen als Felsen getarnt, die Scharten selbst mit Panzerschilden geschützt.
Am Gipfel des Kugelberges befindet sich eine gepanzerte und als Stein getarnte Beobachterkuppel. Es befinden sich unterirdisch Kommandanten- und Funkräume, Sanitätsstation, Munitionsdepots sowie zwei Schlafkavernen, die aber nur für die jeweilige Einsatzmannschaft gedacht waren und nicht als dauerhafte Unterkunft. Die Besatzung umfasste etwa 150 Mann.

Nördlich der S.S.13 liegt ein kleiner Bunker, die Gegenhangstellung, von der die Straße gemeinsam mit Fort Beisner unter Kreuzfeuer genommen werden konnte.

Fotobesuch
25. Oktober 2020
EINGANGSBEREICH

Ein Grenzstein mit der Jahreszahl 1878 erinnert an die historische Vergangenheit dieses Ortes.

Die im Freien liegenden Toilette-Anlagen werden nun als Brennholzlager genützt...

Nebeneingang

RUNDGANG DURCHS FORT

Die Gänge im Inneren sind mit Panzertüren in einzelne Sektionen unterteilt.

Rechts im Bild ist ein Container für den Nutzwasservorrat zu sehen.

Schlafsaal 1

Detail im Schlafsaal 2

Eingang zum MG-Posten 10
Die Panzertüren erinnern nicht nur an ein U-Boot, sie stammen tatsächlich aus Marinebeständen...

Maschinengewehrposten M 10

Stellung für die Panzerabwehrkanone

AUSSENRUNDGANG

Getarnte Kaverne für Posten M 15

Als Stein getarnte Beobachterkuppel am Plateau des Kugels...

Jede Epoche bastelt an vorhandenen Militäranlagen herum. Dieser betonierte Gefechts- oder Beobachtungsstand stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und wurde von der Deutschen Wehrmacht errichtet.

Auf dieser Ebene am Gipfel des Kugelberges stand Mitte des 19. Jahrhunderts das „Fort Reisner“.

Ausgang B

Getarnte Kaverne für Posten M 9


     
  FUSSNOTEN
*)   Über den Sella Somdogna verlief die alte Reichsgrenze zwischen dem Königreich Italien und der k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn.

**)  Anton Freiherr von Reisner, k.k. Feldmarschall-Lieutenant und Commandeur des Maria Theresien-Ordens
... „R. besitzt große Verdienste um die Vervollkommnung und Hebung der Artillerie in Oesterreich. Die Organisation der Batterien der Reserve-Abtheilungen und Depots, welche sich im Jahre 1815 so vortheilhaft bewährte, war sein Werk; auch hat die Geschichte der Artillerie kein Beispiel aufzuweisen von einer so oftmaligen ruhmvollen Führung durch eine und dieselbe Person, wie es bei Reisner der Fall ist, der vom Jahre 1799, in welchem er als Oberstlieutenant die Leitung der Belagerungsartillerie in Italien übernommen, in allen folgenden Feldzügen 1800, 1805, 1809, 1813, 1814 und 1815 den Ruhm seiner Waffe durch immer gleich siegreiche Erfolge behauptet hatte.“ ...
Quelle: de.wikisource.org

 
     
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