SONDERGALERIE AMATEURFOTOGRAF HANS NOVACZEK  
     
  Erster Weltkrieg - persönliche Erinnerungen
     
  KARL STRATIL
Mein Opa
 
     
 

Karl Stratil war mein Großvater mütterlicherseits. Ich nenne ihn deshalb meinen Opa, weil ich als Kind und Jugendlicher viel Kontakt zu ihm hatte. Er hatte immer lustige Sprüche auf Lager, war ein herzensguter Mensch und ich mochte ihn sehr!

ERSTER WELTKRIEG
Er war natürlich auch Soldat im Ersten Weltkrieg (von Oktober 1916 bis Kriegsende 1918) und war in Wien stationiert. Von ihm weiß ich, dass er beim Begräbnis von Kaiser Franz Josef I. Spalier stand, meiner Erinnerung nach bei der Wiener Staatsoper.

Erst heute, wo ich mich auch mit dem Ersten Weltkrieg befasse, verstehe ich seine - für mich als Bub und Jugendlichen lustigen - Stehsätze (heute sagt man one-liner dazu) und was gemeint war: etwa „Bumm Bö’grad (Belgrad)“ oder „Serbien muss sterbien“.
Oder auch: „Wer Gott vertraut, der braucht kein Kraut“, sowie „Gelobt sei Jesus kriegst nix, in Ewigkeit brauchst nix“. Hintergrund vermutlich die bigotte Gläubigkeit in der Monarchie und auch die letzte Hoffnung in entbehrungsreichen Zeiten, wie etwa: „Man soll nie mehr essen, als man mit Gewalt hinunter bringt.“ Da schwingt der Nachsatz mit: „wer weiß, wann es wieder was zu essen gibt…“

EISENBAHNER
Opa war pensionierter Eisenbahner. Er arbeitete ab 1922 am Oberbau, später als Magazinsarbeiter in Wien Westbahnhof. Deshalb blieb ihm auch der Militärdienst im Zweiten Weltkrieg erspart*).
Im Sommer 1978 erzählte ich, dass ich bei den ÖBB als Fahrdienstleiter meine Berufsausbildung beginnen werde. Er war sehr stolz auf mich und erzählte es allen Nachbarn. Als am 2. August 1978 sein Nachbar ins Krankenhaus gebracht wurde, dürfte sich mein Opa so aufgeregt haben, dass er am Fenster zusammenbrach und mit 85 Jahren von uns gegangen ist…

Stellvertretend für seine Generation muss ich erwähnen, welchen Zeitenwandel er miterlebt hat. Von der „guten alten Zeit“ der Monarchie, über zwei Weltkriege bis hin zum Wohlstand und den Mondlandungen. Man muss sich sich diesen kurzen Zeitraum von etwas mehr als 80 Jahren vorstellen: vom Pferdefuhrwerk zur Weltraumrakete. Wahnsinn!

Opa als junger Soldat, 1916

 
 

 

   
 

 
       
   
     
  Weihnachten 1959 (Der in der Mitte bin ich...)  
     
 
 
     
  FUSSNOTE
*) Nicht als „privilegierter“ Eisenbahner, sondern weil die Bahn zu den kriegswichtigen Betrieben zählte!
 
   
     
     
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