SONDERGALERIE AMATEURFOTOGRAF HANS NOVACZEK
 

 

  Festungsbauten der Monarchie 1809-1918
   
  Festung Olmütz
   
  Werk XI, XIII, XVII          Fort Lazecký          Fort Typ 3         Eisenbahnfort         Fort Galgenberg und Tafelberg          Fort Radíkov  
     
     
 

Beschreibung

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die bastionierte Stadtbefestigung [6] zur modernsten Festungsstadt ihrer Zeit umgebaut. Beeinflusst durch die Erfahrungen der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden die Pläne zu einer „Lagerfestung Olmütz“, deren bastionierter Kern durch detachierte Lagerwerke (Forts) erweitert werden sollte.

1839-1846 wurden die Forts Galgenberg [5] und Tafelberg errichtet, und ab 1850 entstand, gemäß einem Entwurf von Geniedirektor Julius von Wurmb, ein Gürtel aus 22 Lagerwerken von etwa 26 Kilometern Umfang.

Kartenausschnitt aus Blatt 4158-4 der Francisco-Josephinischen Landesaufnahme aus dem Jahr 1876.
Die am 11. Juni 2015 besuchten Werke befinden sich an folgenden Stellen: Werk XI Goldberg [1], Werk XIII Ziegelschlag [1a], Werk XVII Křelov [3] und Werk XXII Lazecký [4].
Fort Radíkov (außerhalb der Karte) wurde noch nicht besucht.

TYPOLOGIE
Die Forts der Lagerfestung bestehen aus 3 Grundtypen:
Typ 1 Gürtelfort mit Halbturmreduit und Doppelkoffern, mit den Werken XI, XIII, XV, XVII;
Typ 2 Turmfort mit Zweidrittelturm, mit den Werken II, Va, XX, XXII;
Typ 3 Turmfort mit drei Saillantkoffern, mit den Werken IV, V.
Eine Sonderform stellten die Eisenbahnsperren Werk I und VII dar: je ein Turm links und rechts der Bahn mit rundem Glacis und dazwischen liegender Gleissperre.

Die Werke III, IIIa, VI, VIII, IX, X, XVIII und XIX bestanden im wesentlichen aus polygonalen Verschanzungen und sind keiner Bauform zuzuordnen.

ÄUSSERER FESTUNGSGÜRTEL
Von 1871-1882 entstand auf dem Heiligenberg das Fort Radikov (Radikau), das Teil einer vorgelagerten Festung mit 4 Forts werden sollte. Nur Fort Radíkov (Werk II) wurde davon gebaut, und sollte der letzte Befestigungsbau auf tschechischen Boden bis in die 1930er Jahre sein [ mehr... ].

PULVERMAGAZINE
An der Straße zwischen Olmütz und Heiligenberg befindet sich eines der sechs kartografierten und bis heute erhaltenen Pulvermagazine in der damaligen Einheitsbauart mit vorgelagertem Wächterhaus. Ähnliche Pulvermagazine befanden sich in Groß Mittel im Wiener Becken (heute TÜPL) und sind südlich von Graz bei Kalsdorf („Pulverturmstraße“)  erhalten.

 
     
  Kartografierte (1876) und erhaltene (2014) Pulvermagazine:

Bystrowan (zwischen Werk IIa und IV)
Holitz (zwischen Werk V und Va)
Langes Feld (zwischen Werk XIII, XIV und XV)
Neretein (zwischen Werk XV und XVII)
Hreptschein (zwischen Werk XV, XVI und XX)
Radikov (zwischen Chwalkowitz/Chválkovice und Samotischek/Samotíšky)
 
 

 

 
     
  HINWEIS
Bei den nachfolgenden Fotobeschreibungen entsprechen die Ziffern und Buchstaben in eckigen Klammern den Bezeichnungen der jeweiligen Symbolskizzen.
 
     
     
  FORT TYP 1

 
     
  Werk XI Fort Goldberg

Fort Goldberg ist erhalten und hat laut dem Luftbild auf Google Maps noch beide Doppelkoffer [5] - in zeitgenössischen Beschreibungen auch Tuttelkoffer genannt - die bei Werk XIII und XVII bereits fehlen. Werk XI befindet sich in Privatbesitz und ist nicht zu besichtigen, zudem ist es rundherum von Kleingartenanlagen umgeben, sodass eine Fotostelle, um die Koffer zumindest aus einigem Abstand zu fotografieren, leider nicht zu finden war.

Nepomukstatue neben Fort Goldberg, mit Blickrichtung Heiligenberg.

Werk XIII Fort Ziegelschlag

Entgegen anderer Quellen, die das Werk als „Fort Zeigelschlag“ bezeichnen, ist der Name dieses Werkes Ziegelschlag, nach einer benachbarten Lehmgrube und einer Ziegelei. Das Werk wird renoviert und kann besichtigt werden. Rund um das Werk stehen alte Militärfahrzeuge aus dem ehemaligen Ostblock, die zu einer privaten Sammlung gehören.

Werkstor [1]; Oberhalb die Werknummer XI(II), vermutlich stand hier aber ursprünglich der Name. Rechts das Stiegenhaus [13], Bild unten Parterre des Turmreduits.

In der Eskarpegalerie  [7b]

Bild oben: Verdeckausstieg [13], Bild unten: Blick vom Verdeck in den inneren Hof des Reduits [14]. Im ursprünglichen Zustand hatte auch das Reduit ein Wallverdeck. Das Flachdach stammt aus späterer Zeit.

Blick vom Verdeck über den Wall [6]. Im Bild (von links nach rechts) der Poterneneingang [4] zur Eskarpegalerie, die Wallplattform [6a] für die Geschütze mit Traverse [6b] und die Rampe [3] auf den Wall.

Das linke Einfahrtstor wurde erst nach dem 1. Weltkrieg in die Kehlmauer eingebaut. Die ursprünglichen Eingänge Werkstor [1] und Eingang ins Turmreduit [11] sind gegengleich angeordnet. Sollte ein Einbruch des Feindes in das  Fort gelingen, musste er erst durch den Hof rund um das Reduit, um zum Eingang zu gelangen, was zusätzlich Verteidigungsreserven schuf.

Blick in den umlaufenden Graben [9], links die Kontreeskarpegalerie [7a], rechts ist die Position des nicht mehr vorhandenen Doppelkoffers [5] zu erkennen.

Der Kehlkoffer des Forts Ziegelschlag ist vorbildlich im ursprünglichen Zustand restauriert.

Werk XVII Fort Křelov

Fort Křelov (Kronau) ist renoviert, aber nur zum Teil zugänglich. Bei meinem Besuch war das Museum geschlossen, der Zugang nur zum Restaurant möglich.

Werkseingang [1]. Bemerkenswert ist die spielerische Gestaltung besonders der Portale, die an gotische Burgen erinnern. Bei den Ende des 19. Jh. errichteten Werken war davon nicht mehr viel zu sehen. Die letzten Befestigungen die Mitte des 20. Jh. gebaut wurden, waren nur mehr klotzige Betonkästen.

Kehlkoffer, in dem sich heute der Speisesaal des Restaurants befindet.

Hier ist die Form der Wallmauer über der Eskarpe gut zu erkennen.

Haupteingang [11] ins Turmreduit, heute der Zugang zum Restaurant.

Kehlseitige Wallkasematten [7c]

Eingangspoterne [4] zur Eskarpegalerie.

 
     
     
  FORT TYP 2

 
     
  Werk XXII Fort Lazecký

Werk XXII ist nach einer vom Turmfort direkt abgeleiteten Bauform konstruiert. Das Reduit besteht aus einem Zweidrittelturm, mit großem, rundem Innenhof, umlaufenden Graben [9] und ebenfalls runden Glacis [c]. Fort Lazecký ist inzwischen vorbildlich renoviert und kann auch besichtigt werden. Die gedeckten Poternen [e] zwischen Turm und Kontreeskarpegalerie [8] sind nicht mehr vorhanden.

Eingangsportal mit Brücke [3] über den Graben, die im letzten Teil als Zugbrücke ausgeführt ist.

KEHLSEITE

Linke Kehlseite - Blick in den Graben, rechts an der Eskarpemauer ist noch der Ansatz zu erkennen, wo sich die Poterne zur gegenüber liegenden Kontreeskarpegalerie befand.

Kehlgraben mit Portal und Brücke (oben), rechte Kehlseite (unten).

INNENHOF

Kleiner Innengraben [d], Rampe [5] und ganz rechts Eingang in die Kasematten [7].

1856

Innenhof, kehlseitige Mauer. Beim Tor ist auch die Vorrichtung zur Betätigung der Zugbrücke vorhanden (Bild unten).

GRABEN

Rechte Kehlseite - Blick in den Graben

Blick aus dem rechtsseitigen Graben Richtung Kehle.

Schießscharten der Kontreeskarpegalerie. Das Innere der Galerie ist teilweise mit Schutt verlegt und macht einen unaufgeräumten Eindruck...

Hier befand sich der Ausgang zur Poterne die in die Kontreeskarpegalerie führte. Gleichzeitig bildeten diese gedeckten Poternen ein Hindernis das den Graben zusätzlich sperrte.

 
     
     
  FORT TYP 3

Werk IV Fort Bystrowan

Von diesem Werktypus ist noch das Fort Bystrowan erhalten. Es befindet sich auf einem eingezäunten Privatgrundstück und kann daher leider nicht besichtigt werden. Es gibt auch hier nur ein Luftbild auf Google-Maps.

Obige Zeichnung ist nur eine Symbolskizze, für die der Rapportsplan des Lagerwerkes VII (Fort Cavalcaselle) in Peschiera als Vorlage herangezogen wurde, da es eine ähnliche Bauform hatte.

 
     
     
  FORT TYP 4
Von Fort Galgenberg und Fort Tafelberg gibt es hier die Luftbilder:     Galgenberg     Tafelberg

 
     
     
 

FORT TYP 5
Die beiden Eisenbahn-Sperrforts (Werke I und VII) an der Kaiser-Ferdinand-Nordbahn sind nicht mehr vorhanden, vom Werk VII existieren nur mehr Teile des Wassergrabens. Bei dieser Form der Eisenbahnsperre wurde die Strecke mit Geschützen gesichert, die auf den Plätzen neben dem Gleis links und rechts der Bahn postiert wurden.

Modell eines der Olmützer Eisenbahn-Sperrforts im Fort Ziegelschlag.

 
     
     
  Fort Radíkov

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde um Olmütz ein massives Fort-Befestigungssystem erbaut, der so genannte „Fortkranz“, der später durch drei vorgeschobene Fort-Gruppierungen, sogenannte „Festen“, ergänzt werden sollte. Die Feste auf dem Heiligenberg (Svatý Kopeček) sollte vier Forts (Werk I Tover, Werk II Radíkov, Werk III Lošov und Werk IV Droždín) sowie zwei Artilleriebatterien haben.
Die einzige umgesetzte Festung ist das Fort Radíkov (Werk II). Der Bau begann im Jahre 1871 als Teil der „Kaiserlich-Königlichen Olmützer Festung - K.K.O.F“ nach dem Projekt des Kapitäns Karl Ritter von Pech. Nach drei Jahren war das Fort zwar schon kampffähig, vollendet wurde es aber erst 1882.
Vom baulichen Aspekt her ist es ein Artillerie-Fort mit einer Umwallungslinie. Es handelt sich um ein architektonisch und historisch einzigartiges Befestigungsobjekt, das in einem einzigen Exemplar auf dem tschechischen Gebiet erhalten geblieben ist.
Zum Werk gehörte auch ein Lazarett, das sich in Radikov am Ende der heutigen Zedníkova Straße befand. Weiters gibt es zwei militärische Brunnen, die 1875 in Samotíšky gebaut wurden und die noch heute funktionstüchtig sind. Auf dem Feld zwischen Samotíšky und Chválkovice wurde für die Festung ein Pulvermagazin mit einem Wächterhaus in der Nähe der Straße errichtet (Quelle: www.pevnost-radikov.cz).

 
     
     
  BACKSTAGE

In Aktion (oben rechts), mit Einsatzfahrzeug und Arbeitsgerät vor dem Fort Křelov (unten). Beide Fotos: Gerard

 
     
     
  TECHNIK
Canon EOS-1D Mark III mit EF 16-35/4L IS
 
     
 

SKIZZEN
Die Lagekizzen sind von mir anhand von Fotos, alten Rapportsplänen und z.T. dem Besuch vor Ort selbst erstellt. Sie sind nicht exakt maßstäblich Die Verwendung durch Dritte bedarf meiner ausdrücklichen Zustimmung! Für die Richtigkeit der Platz- und Raumbezeichnungen wird keine Gewähr übernommen.

 
 

 

 
  QUELLNACHWEIS UND WEBLINKS
http://www.forty.cz

http://www.fort-olomouc-xxii.cz
http://www.pevnost-radikov.cz
http://cisarska-pevnost.cz/historie
http://paintball.pgo.cz/ol

http://www.kuk-fortification.net
Rudi Rolf: Festungsbauten der Monarchie - ISBN 978-90-817095-1-4, PRAK publishing Middelburg 2011
 
     
     
 

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